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Rotationsprinzip - Neue Zahlungsmittel sollen regionale Wirtschaftskreisläufe stärken

by mwestendorff last modified 2005-06-08 01:11

Das Thema "Regionalgeld" wird in den großen Medien immer noch klein gehalten. Bis vor kurzem war es sogar noch völlig tabu. Auch in der Politik möchte man davon am liebsten gar nichts wissen. Aber die Probleme in unserer Wirtschaft treten immer deutlicher und vor allem sichtbarer zutage: Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit, Armut - und das massenhaft. Über die genauen Ursachen streiten sich die Gelehrten noch immer. Fakt ist: Überall dort,wo Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird, beginnen die Schwierigkeiten. Gleiches gilt,wenn vorhandene Mittel nicht in neue Wertschöpfung investiert werden.

Quelle:PT Verlag & Co. KG - NORD / Niedersachsen

Die Probleme gibt es seit geraumer Zeit auch im Norden Deutschlands. Dort entstanden in den vergangenen Jahren gleich mehrere Regiogeld-Initiativen. Schon seit Oktober 2001 hat Bremen den "Roland" als Komplementärwährung.Wurde er anfangs noch in weniger als 20 Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert, sind es mittlerweile rund 60. Mitmachen kann jeder, der dem Roland-Regional-Verein für nachhaltiges Wirtschaften beitritt. Dafür ist eine einmalige Gebühr von zehn Euro fällig. Und so funktioniert das Regiogeld: Zunächst tauscht man seine Euros in Roland um. Mit dem Roland können dann Waren und Dienstleistungen in den teilnehmenden Geschäften eingekauft werden. Der Rücktausch in Euro kostet ein Prozent des Tauschwerts.

Das Entziehen des Geldes aus dem Wirtschaftskreislauf ist also unattraktiv. Zusätzlich verliert der Roland jeden Monat ein Prozent seines Wertes. Damit ist sichergestellt, dass er schnell weitergegeben und nicht gehortet wird. Nach Ablauf der aufgedruckten Verwendungsfrist werden die Roland-Gutscheine gegen neue umgetauscht. Je häufiger Bürger und Unternehmen in Roland zahlen, desto größer wird der Anteil an dem Gesamtkonsum, der in der Region bleibt.

Nach diesem einfachen Prinzip funktionieren die meisten Ersatzwährungen, so auch der "Kann Was" (KW). Er ist eine Erfindung von Dr. Frank Schepke. Kennen Sie nicht? Schepke wurde 1960 in Rom mit dem legendären Deutschland-Achter Olympiasieger im Rudern. Jetzt sorgt er wieder für Aufsehen, denn sein Regiogeld-Konzept kommt zwischen Kiel, Lübeck und Neumünster richtig gut an.

Im Januar 2004 startete das Projekt mit knapp 20 Akzeptanzstellen, Anfang Mai waren es schon über 70. Und es kommen ständig neue Geschäfte dazu, in denen man mit KW bezahlen kann. Der durchschlagende Erfolg rief unter anderem die Bundesbank auf den Plan. Aber selbst die Währungshüter fanden bisher keinen Anlass zur Intervention. Denn auch der "Kann Was" kann eine Sache nicht: "Der ‚Kann Was' kann nicht gegen Zinsen verliehen werden. Im Gegenteil - eine Umlaufsicherung in Höhe von 1% pro Monat verhindert das Horten und hält die ‚Kann Was'-Scheine in ständigem Fluss", erklärt Initiator Dr. Schepke. Im Gegensatz zu anderen Regiogeld-Initiativen wird beim KW allerdings die Umlaufsicherung für ein Jahr im voraus fällig. Auch die Gebühren für den Rücktausch in Euro sind mit zehn Prozent etwas höher als bei anderen Komplementärwährungen in Deutschland. Das macht aber auch Sinn, denn das Ziel einer solchen Aktion besteht ja gerade darin, das Geld in der jeweiligen Region zu halten.

Regios im Norden

"Kann Was" und "Roland" sind nur zwei Beispiele aus Norddeutschland, die zeigen, dass das Thema Regionalgeld brandaktuell ist. Im Wendland wird gegenwärtig eine weitere Initiative vorbereitet. Dort befindet man sich noch in der Planungsphase. Start soll im Frühjahr 2005 sein. Aber nicht nur im Norden passiert etwas. Auch in Bayern und Hessen gibt es bereits Regiogeld, ebenso in der Hauptstadt. Hier wurde der "Berliner" eingeführt. Darüber hinaus sind entsprechende Projekte in mehreren Bundesländern sehr weit vorangeschritten. Im sächsischen Delitzsch gewann man dafür sogar prominente Unterstützung. Dort bescheinigte der Ex-Innenminister Klaus Hardraht in einem Gutachten die rechtliche Unbedenklichkeit einer Komplementärwährung.


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