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Artikel über den KANN WAS in den Kieler Nachrichten 21.1.2004

by admin last modified 2005-05-30 10:57

"Kann Was" oder: Das Geld als reines Tauschmittel, Idee aus Löptin: Alternative zum Euro soll Umsatz in der Region ankurbeln

Löptin – "Das macht 15 "Kann Was" bitte", heißt es bei Friseurmeisterin Angela Orlowski aus Bad Oldesloe schon mal, wenn der Haarschnitt bezahlt werden soll. Seit dem 1. Januar akzeptiert ihr Geschäft neben Euros auch das neue Regionalgeld "Kann Was". Neues Geld? Braucht man das? "Ja", sagt Erfinder Frank Schepke aus Löptin. Mit seinem "Kann Was" will er eine Alternative zum Euro schaffen. "Geld muss wieder als reines Tauschmittel funktionieren", so Schepke. Das bestehende Zinssystem führe dazu, dass Geld angelegt wird, um möglichst hohe Erträge abzuwerfen. So wachse das Vermögen der Geldbesitzer exponentiell, ohne dass sie dafür arbeiten. Im gleichen Maße würden sich aber auch die Schulden der Menschen erhöhen, die arbeiten. "Das Geld geht dahin, wo die Rendite am größten ist", erklärt Schepke. Somit würde es nicht mehr in der Region ausgegeben, Aufträge an die Unternehmen blieben aus, was auf längere Sicht zu steigender Arbeitslosigkeit führe. "Die Lohnkosten sind zu hoch, heißt es dann, doch das stimmt nicht, die Renditen sind einfach nur zu niedrig", erklärt der 68-jährige Diplom-Landwirt, der sich seit vielen Jahren mit der Idee des Regionalgeldes beschäftigt. Auf seinen "Kann Was" gibt es keine Zinsen. Wer dieses Geld spart, macht keine Gewinne, ganz im Gegenteil: Je länger man einen Schein behält, desto weniger wird er wert. Beispiel: Einen 20-Kann-Was-Schein bekommt man für 20 Euro. Damit man ihn benutzen kann, muss zusätzlich noch eine Gebrauchsgebühr von zwölf Prozent (2,40 Euro) gezahlt werden, die Monat für Monat verfällt. Im Januar kann man also für einen Gegenwert von 22,40 Euro Waren und Dienstleistungen kaufen, im Februar für 22,20 Euro und im Dezember nur noch für 20,20 Euro. Zum Jahreswechsel hat der Schein dann einen Gegenwert von 20 Euro. Damit er im folgenden Jahr weiter benutzt werden kann, werden wieder zwölf Prozent Gebrauchsgebühr fällig. "So ist sichergestellt, dass das Geld schnell wieder ausgegeben wird", erklärt Schepke die Idee der Umlaufsicherung, die den Umsatz in der Region ankurbeln soll.

Die Idee ist nicht neu. Schon Aristoteles (384-322 v. Chr.) erwartete vom "guten" Geld, dass es "stets und ohne Unterbruch weitergegeben wird, da seine Aufgabe der Umlauf" sei. Als erster Ökonom schlug Silvio Gesell (1862-1930) eine Umlaufsicherung des Geldes zur Stabilisierung der Volkswirtschaft vor. Er prägte dafür den Begriff "Freigeld". Sein Buch "Die natürliche Wirtschaftsordnung – Durch Freiland und Freigeld" war die Vorlage für einen Versuch im österreichischen Wörgl Anfang der 30-er Jahre. Innerhalb kürzester Zeit brachte die dort eingeführte lokale Währung einen rasanten Aufschwung. Viele Gemeinden wollten sich dem erfolgreichen Versuch anschließen, der jedoch von der österreichischen Notenbank verboten wurde.

Ein solches Verbot fürchtet Schepke nicht. "Ich habe das rechtlich prüfen lassen. Gegen den {sbquo}Kann Was' dürfte es keine Einwände geben", sagt er. Natürlich müssten Unternehmer auch die Umsätze mit dem "Kann Was" steuerlich angeben. Da das Finanzamt aber nur in Euro rechnet, muss für die Steuererklärung umgerechnet werden. 20000 "Kann Was" hat der Landwirt für den Start gedruckt. Über 1000 Euro hat er für seine Idee bereits investiert, die aber nur funktionieren kann, wenn viele mitmachen. Wer der "Kann Was"-Gemeinschaft beitreten möchte, muss mindestens 50 Euro gegen das Regionalgeld eintauschen. Alle Teilnehmer werden im Internet (www.kann-was.org) veröffentlicht. Über 20 seien es schon in den ersten Tagen. "Ich habe aber noch viele auf der Liste stehen, die gesagt haben, dass sie mitmachen wollen", sagt Schepke, in dessen Hofladen man für "Kann Was" Lebensmittel kaufen kann. In Bad Oldesloe bieten eine Gebäudereinigung und ein Friseur ihre Dienstleistungen gegen Regionalgeld an, in Kiel gibt es dafür bei "bunt und farbig" Ökofarben und auch bei "1000 Körner" kann man mit dem neuen Geld einkaufen. Eine Preetzer Bäckerei gehört schon zu den Teilnehmern, auch ein Rechtsanwalt. Filzarbeiten kann man mit dem Regionalgeld genauso kaufen, wie für die Gestaltung seiner Internetseiten bezahlen.

Dass der "Kann Was" zu einem Erfolgsmodell für die regionale Wirtschaft werden könnte, zeigen zwei Beispiele aus Deutschland. In Bremen gibt es den "Roland" als Regionalwährung, und in Prien am Chiemsee haben Schüler Anfang 2003 den "Chiemgauer" eingeführt. Von Lebensmitteln bis zum Fahrrad lässt sich mit ihm dort fast alles kaufen. "Dass viele mitmachen, ist die Voraussetzung für den Erfolg des Projekts", so Schepke. Da bedürfe es aber noch einiger Überzeugungsarbeit, denn "um die Vorteile zu verstehen, braucht man schon ein wenig Gehirnschmalz." Schepke ist jedoch überzeugt, dass sich mit der Zeit immer mehr Menschen an seinem Projekt beteiligen.

Wer mitmachen möchte, kann bei Frank Schepke in Löptin Euros gegen "Kann Was" tauschen. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 04302/354 oder im Internet unter www.kann-was.org. Informationen über das Projekt "Chiemgauer" finden sich im Internet unter www.chiemgau-regional.de

Von Sven Janssen


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