Deutscher Gewerkschaftsbund überrascht von Ungleichverteilung der Einkommen
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat mit einer wissenschaftlichen Studie die zunehmenden sozialen Gegensätze in Deutschland untersucht. Das Ergebnis: Die Reichen werden immer reicher, während die große Masse gerade über die Runden kommt, berichtet die Süddeutsche Zeitung.
Grundlage für die Studie ist das Sozioökonomische Panel (Soep), eine repräsentative Wiederholungsbefragung von 12.000 Privathaushalten. Demnach verfügen die Deutschen über ein Gesamtvermögen (Ersparnisse nach Abzug von Schulden, Wohneigentum, private Rentenansprüche, Versicherungen, Sammlungen von Kunstwerken, Münzen oder Briefmarken) von 5,4 Billionen Euro.
5.400.000.000.000 Euro
Bei gleicher Verteilung hätte jeder Bundesbürger 81.000 Euro. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus: "Tatsächlich besaßen 2002 mehr als die Hälfte der Bürger über 17 Jahren so gut wie nichts. Sie nutzen ihr gesamtes Einkommen für den Konsum oder die Schuldentilgung. Die reichsten zehn Prozent der Deutschen dagegen teilen fast zwei Drittel des Volksvermögens unter sich auf."
Festgestellt wurden außerdem unter anderem enorme Unterschiede in bestimmten Bevölkerungsteilen. So liegt das Durchschnittsvermögen im Westen 2,6 mal höher als im Osten. Ostdeutschen sind außerdem eher verschuldet und besitzen seltener Wohneigentum. Benachteiligt sind auch Frauen. Ihr Vermögen fällt im Schnitt fast 30.000 Euro niedriger aus.
Außerdem stellten die Forscher fest, dass die sozialen Gegensätze zunehmen: "So ist der Kapitalanteil am Volkseinkommen in Deutschland von 1996 bis 2006 um vier Prozentpunkte gestiegen und beträgt heute 33,8 Prozent. Mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich folgt die Entwicklung einem weltweiten Trend." Demnach steigen seit den frühen 1990er Jahren die Einkommen von Spitzenverdienern erheblich schneller als die Gehälter von Geringverdienern.
Gewerkschaftsbund erstaunt ueber bekanntes Dilemma
Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist erstaunt: "Mit einer solchen Ungleichverteilung hatten wir nicht gerechnet.", sagt DGB-Chefökonom Dierk Hirschel und fordert, leistungslose Einkommen stärker zu besteuern. Die Autoren der Studie fordern sinkende Freibeträge und die Förderung der "Kapitalbildung von Normal- und Niedrigverdienern", beispielsweise mit einem Deutschlandfonds (siehe dazu auch Artikel auf INWO.de).
INWO-Referent und Wirtschaftsanalytiker Helmut Creutz dagegen ist nicht überrascht von den Zahlen, dafür aber von der Reaktion der Gewerkschaften. Solche und ähnliche Statistiken zur Verteilung gibt es ihm zufolge bereits seit mehr als 20 Jahren - siehe dazu auch die ältere und aktuelle Grafik zur Einkommensentwicklung und zur systematischen Umverteilung bei den auch in der DIW-Studie untersuchten Haushaltsgruppen.
Der vollständige Artikel der Süddeutschen Zeitung ist ebenso online zu finden wie der komplette Aufsatz Vermoegen in Deutschland wesentlich ungleicher verteilt als Einkommen von Markus M. Grabka und Joachim R. Frick aus dem Wochenbericht des DIW Berlin.
(Text übernommen von der INWO)

