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Katholische Sozialakademie fordert neue Finanzmarktarchitektur

by mwadmin last modified 2009-07-18 00:24

Wien (KAP) Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise muss insbesondere der Bankensektor klare Lehren ziehen: Das forderte der Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), Markus Schlagnitweit, bei der Vorstellung des neuen ksoe-Dossiers "Banken - wohin?" am Donnerstag in Wien. Es müsse stärker in den Blick genommen werden, dass Banken eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion und eine "Gemeinwohl-Verpflichtung" haben. Rettungspakte für Banken allein genügen nicht, so der Wirtschafts- und Sozialethiker: "Es braucht eine breite Debatte über das Wesen von Banken und darüber, wie sie ihrer ursprünglichen Rolle als gemeinnützige Einrichtungen entsprechen können."

Katholische Sozialakademie fordert neue Finanzmarktarchitektur

Katholische Sozialakademie Österreichs

Katholische Sozialakademie fordert neue Finanzmarktarchitektur (aus www.kathweb.at vom 03.07.2009)

ksoe-Direktor Schlagnitweit: Steuerung von Banken darf nicht länger schief laufen - Neues Dossier "Banken - wohin?" vorgestellt

Das von der ksoe vorgestellte 44-seitige Dossier umfasst Analysen und Reformvorschläge für das Bankensystem von in- und ausländischen Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis. Zentrale Aussage des Dossiers ist laut ksoe, dass Banken eine "dienende Funktion" haben. Ihr Aufgabenbereich liegt nicht im Bereich der Spekulationsgeschäfte, sondern in der finanziellen Ausstattung realwirtschaftlicher Aktivitäten. Wirtschaften wiederum müsse dem "guten Leben" dienen.

Banken agieren zuwenig ökologisch und sozial

Klaus Gabriel, Sozialethiker an der Universität Wien, erklärte bei der Präsentation, dass es Instrumentarien der Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens von Banken gibt. Sowohl die direkten als auch die indirekten Auswirkungen von Banken lassen sich feststellen. Laut einer aktuellen Studie werden ökologische und soziale Aspekte bei der Kreditvergabe nach wie vor unzureichend berücksichtigt. Ein weiteres Defizit sei die mangelnde Verantwortung gegenüber Kunden. Die Produktgestaltung sei häufig wenig transparent und die Beratungs- und Verkaufspraxis erfolge weitgehend provisionsorientiert, so Gabriel.

Die gegenwärtige Krise berge die Chance auf Veränderung, sie müsse aber auch ergriffen werden, sagte der Ex-Banker und Experte für ethische Geldanlagen: "Jetzt geht es um den Offenbarungseid. Wer profitiert von den Finanzmärkten - das Gemeinwohl oder kleine Gruppen?" Weitere Fehlentwicklungen würden unweigerlich den sozialen Frieden gefährden, warnte der Sozialethiker.

Klaus Woltron, Ex-Manager und Besitzer einer Beteiligungsgesellschaft, machte auf den "ungelösten Konflikt zwischen der Dynamik der Realwirtschaft und der Dynamik der Finanzwirtschaft" aufmerksam. Die Realwirtschaft könne den im Bereich der Finanzwirtschaft immer weiter angewachsenen Ansprüchen nicht genügen. In den letzten Jahrzehnten habe sich als "1. Gebot" durchgesetzt: "Du sollst mein Kapital möglichst hoch verzinsen."

Im Rahmen der ksoe-Veranstaltung wurden auch "best practice"-Beispiele aus dem Bereich "Alternativbanken" vorgestellt: Günter Bergauer von "Schelhammer&Schattera" bekannte sich dazu, als kirchliche Bank alle Fondsangebote ethisch auszurichten. In seiner Bank gebe es seit jeher eine klare Begrenzung der Lohnschere zwischen niedrigsten und höchsten Einkommen. Auch sei es eine Selbstverständlichkeit, sogenannte "bankunwürdige Personen" mit einem Konto zu versorgen. Bergauer hofft, dass wie beim "Weinskandal" die Krise positive Folgen haben werde.

Jürgen Knieps von der "Steyler Bank" bietet mit ethisch-orientierten Angeboten Anlegern die Möglichkeit, im "hochkomplexen Finanzsystem" sozial verantwortlich zu agieren. Derivate und andere spekulative Produkte hätten keinen Platz in den Aktivitäten der Ordensbank.

Im Dossier schreiben u.a. der deutsche Sozialethiker und Finanzmarktexperte Bernhard Emunds, der Berliner Ökonom Bernd Senf, der St. Gallener Volkswirt Mathias Weis und die Expertin für ethisch-ökologische Geldanlagen, Katharina Sammer.

Informationen: www.ksoe.at


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