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Die Welt: Neue Währung soll in Altona die Binnenkonjunktur ankurbeln

by mwestendorff last modified 2007-11-15 00:36

Die Welt vom 17.10.06 berichtet über den Alto: Neue Währung soll in Altona die Binnenkonjunktur ankurbeln Alto soll sie heißen, die neue Währung im Stadtteil Altona, die den Euro ergänzen soll. Eine eigene Regionalwährung soll dort für mehr Lebensqualität sorgen. (Von Olaf Dittmann)

Die Welt: Neue Währung soll in Altona die Binnenkonjunktur ankurbeln

So funktioniert der Alto

Hamburg - "Beim Regionalgeld fängt die Freundschaft an", meint Franz Galler. Er muss es wissen, 2004 initiierte er das Berchtesgardener Regionalgeld Sterntaler, das heute bei 175 lokalen Unternehmen jährlich rund 400 000 Sterntaler Umsatz macht. Sterntaler gleich Euro, wohlgemerkt.

In Altona träumt man von diesen Zahlen - und von der Währung Alto. Eine eigene Regionalwährung soll dort für mehr Lebensqualität sorgen. Und der Käufer entscheidet, wohin der Gewinn geht. Vor 14 Monaten wurde die Alto-Idee geboren, doch bislang unterschrieben lediglich 58 Konsumenten und 14 Unternehmen die Verpflichtungserklärung zur obligatorischen Vereinsmitgliedschaft. Etwa die sechsfache Anzahl will Dieter Bensmann, Geschäftsführer des Initiatorvereins Fokus Altona, vor dem offiziellen Start erreichen. Ein Infoabend samt Franz Galler und Probeverkaufsständen sollte den Alto jetzt ins Rollen bringen.

Die Idee ist so einfach wie pfiffig: Als Ergänzung zum Euro ermöglicht der Alto dem Konsumenten, den von ihm in Gang gesetzten Geldfluss zu kontrollieren. Denn Bäcker, Metzger oder Friseur können den Alto lediglich bei anderen Mitgliedsunternehmen wieder ausgeben. Das Geld bleibt also im Stadtteil.

Das sei doch Protektionismus, lautete der Einwand eines Zuhörers. Richtig, doch der eigentliche Clou liegt auf der Kehrseite der Alto-Scheine verborgen: Alle drei Monate verliert das Geld zwei Prozent an Wert. Und will der Unternehmer Alto in Euro zurücktauschen, gehen nochmals fünf Prozent durch den Kamin.

"Dann ist in einer Einkaufstraße einiges los", berichtete Franz Galler mit den leuchtenden Augen des Berufs-Bankers. "Während der Euro nur geschätzte eineinhalb Umläufe jährlich macht, sind es beim Sterntaler rund 20!" Stille im Saal, den Einzelhändlern blieb der Mund offen stehen, offensichtlich sahen sie vorm inneren Auge die Binnenkonjunktur Purzelbäume schlagen.

"Ich bin dabei", sagte Michael Gwosdz vom Politikinstitut Haus Rissen und investierte seine ersten drei Alto in Schnellhefter. Eine politische Tat: "Regionalgeld kann Schwächen von großen Währungsverbünden korrigieren", so Gwosdz. Bislang sind deutschlandweit 17 Regionalwährungen - darunter etwa Chiemgauer, Berliner oder Kirschblüte - im Umlauf. Die Erwartungen sind hoch: Das Prinzip "Husch, husch das Geld zum Nachbarn tragen" führte nach der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre in einem Tiroler Dorf zu einem beispiellosen Boom: Dank des sagenumwobenen Wörgl sank dort die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um 25 Prozent.

Artikel erschienen am 17.10.2006

Der Alto im Internet


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