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Ein historischer Moment - Die Mauer im Kopf fällt!

by mwadmin last modified 2009-07-07 22:45

Die Zinssenkungsrunde in Schweden per 8.7.2009 bringt die "Deposit Rate" auf MINUS -0.25%. Dies ist kein Tippfehler, in Schweden gibt es ab morgen negative Zinsen!

Ein historischer Moment - Die Mauer im Kopf fällt!

Die schwedische Zentralbank als Mauerspecht im neoliberalen Denkgebäude

Endlich setzt die Diskussion über eine Umlaufgebühr für Geld ein. Der folgende Beitrag zeigt, wie fest die alten Denkmuster in den Köpfen sitzen:

aus: www.financeblog.ch

Die Riksbank, die schwedische Zentralbank hat letzte Woche die Zinsen gesenkt. Genauer gesagt wurde der Repo-Satz (Repo Rate) um 0.25% auf 0.25% gesenkt. Dies in der Meinung, noch billigeres Geld führe zu einer Stabilisierung der Wirtschaft, nachdem die Rezession in Schweden viel härter ausfällt als zuvor geschätzt. Die Riksbank geht heute von einem Rückgang des BIP von -5,4% in diesem Jahr aus. Welcher Teufel hat denn die schwedische Zentralbank geritten?

Gleichzeitig wurde per 8. Juli 2009 aber auch die Deposit Rate um 0.25% gesenkt. Und liegt damit im negativen Bereich! Was soll das?

Die Riksbank hat damit eine Geldmaschine für Geschäftsbanken kreiert. Banken können bei ihr soviel Geld holen, wie sie wollen. Fast gratis. Sie sollen das Geld aber keinesfalls wieder bei der Zentralbank anlegen, sondern in Form von Krediten an Unternehmen oder andere Geschäftsbanken in Umlauf bringen. Dies hat aber einen Haken.

Mit negativen Deposit Rates werden vor allem die Sparer bestraft. Und dies in einer Zeit, in der die Konsumenten wieder ein Minimum des Einkommens sparen. Nachdem sie jahrelang über ihren Verhältnissen gelebt und Dinge gekauft haben, die sie sich nicht leisten können. Und damit notabene die Preise von Vermögenswerten (z.B. Immobilien, Rohstoffe) in ungeahnte Höhen trieben. Auch wenn’s kurzfristig schmerzhaft ist, so machen die neuen Ersparnisse langfristig sehr viel Sinn. Unverständlich, dass die schwedische Zentralbank hier so aggressiv eingreift.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht weitere Zentralbanken dieser schlechten Idee folgen.

Hier noch ein Bericht aus dem Sydsvenska Dagbladet:

Sydsvenska Dagbladet - Schweden | 03.07.2009 Schwedische Zentralbank beschließt Negativzinssatz

Die schwedische Reichsbank hat ihren Zinssatz von 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt. Zusätzlich will sie einen internen negativen Zinssatz von minus 0,25 Prozent erheben, wenn die Banken ihr Geld bei der Reichsbank liegen lassen.

Das sei eine Ohrfeige für die Banken, schreibt die Tageszeitung Sydsvenska Dagbladet: "Die Zinssenkung signalisiert, dass die Reichsbank die Finanzkrise noch nicht als überstanden betrachtet. Aber das wichtigste Signal war gestern nicht die Zinssenkung an sich. Die Reichsbank beschloss, ihren eigenen Sparzins auf minus 0,25 Prozent zu senken. Jetzt kostet es die Banken etwas, ihr Geld bei der Reichsbank übernachten zu lassen.

Der Chefökonom der Danske Bank, Roger Josefsson, sagte, dass dieser Vorgang einzigartig und die Botschaft des Negativzins deutlich sei: Das Geld soll raus ins System. Die Reichsbank betreibt eine konstruktive Geldpolitik, und die Mitteilung von gestern war mehr als ein erhobener Zeigefinger gegenüber dem schwedischen Bankwesen. Sie war mehr ein Tritt vors Schienbein." (03.07.2009)

Originaltext der schwedischen Zentralbank:

http://www.riksbank.com

The minutes from the Executive Board’s monetary policy discussion will be published on 16 July. The decision on the repo rate will apply with effect from Wednesday, 8 July. The deposit rate is at the same time cut to -0.25 per cent and the lending rate to 0.75 per cent. A press conference with Deputy Governor Barbro Wickman-Parak and Anders Vredin, Head of the Monetary Policy Department, will be held today at 11 a.m. in the Riksbank. Entry via the bank's main entrance, Brunkebergstorg 11. Press cards must be shown. The press conference will be broadcast live on the Riksbank’s website.


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