Was bedeutet Wirtschaftswachstum?
Aus dem Arbeitskreis Wirtschaft im Barkauer Land: Jahr für Jahr hören wir von Politikern und Wirtschaftsfachleuten, nur Wirtschaftswachstum sei die einzige Lösung unserer Arbeitsmarktprobleme. Nur durch Wachstum könnten Arbeitsplätz erhalten und neue geschaffen werden. Ist das wirklich so?
Fragen wir uns doch erst einmal: Was ist Wachstum? Was wächst z. B. im Walde? Antwort: Natürlich Holz. Nun stellen wir uns als Gedankenexperiment einmal vor, daß das Holzwachstum von heute ab für ein Jahr aussetzen würde. Nach Ablauf dieses einen Jahres hätten wir in dem Wald nicht einen m³ Holz mehr, als zu Beginn des Jahres. Es wäre eben nichts nachgewachsen. Das Wachstum wäre 0 %. Fragen wir jetzt vergleichend nach dem Wirtschaftswachstum. Wie lautet die Antwort, wenn dieses ebenfalls für 1 Jahr aussetzen würde, also 0 % betrüge?
Nach gängiger Auffassung wird natürlich weiter produziert und zwar soviel, wie im Jahr zuvor. Was fehlt, und was von Politik und Ökonomie fälschlich als Wachstum bezeichnet wird, ist also der Zuwachs an Wirtschaftsleistung, und zwar Jahr für Jahr. Wir haben es demnach mit einer Beschleunigung des vorhandenen Wirtschaftsvolumens zu tun. Was gefordert wird, ist also nicht eine Beibehaltung der im vergangenen Jahr erzielten Wirtschaftsleistung, sondern ein Zuwachs des bisher Erreichten inklusiv der Zuwächse der vergangenen Jahre. Richtigerweise sollte also das einfache und positiv klingende Wort Wachstum (alles in der Natur wächst) ersetzt werden durch Wirtschaftswachstumsbeschleunigung, denn der Zuwachs in diesem Jahr wird zur diesjährigen Wirtschaftsleistung hinzugerechnet und dient dann als Gesamtleistung für die Berechnung des geforderten Zuwachses im folgenden Jahr.
Jede Beschleunigung ist Geschwindigkeit mal Beschleunigungsfaktor und so, wie in der Physik schließlich Geschwindigkeiten sich mittels des Beschleunigungsfaktors bis ins Unendliche steigern – und damit jede Versuchsanordnung zerstören – muß auch eine Volks- oder Weltwirtschaft unter der Prämisse einer ständigen Wirtschaftswachstumsbeschleunigung in vollständiger Zerstörung enden. (wie gehabt)
Ist das wirklich das Ziel und die Absicht von Politik und Ökonomie? Merken die Verantwortlichen nicht, wohin diese so einfach klingende Forderung nach „Wirtschaftswachstum“ wirklich führt? Die anfänglich gestellte Frage, ob wirklich nur eine ständig exponentiell wachsende Wirtschaft die einzige Lösung unserer Arbeitsmarktprobleme darstellt, muß nach dem bisher Gesagten verneint werden. Wie Wirtschaften gestaltet werden sollte, wurde bereits von unserem Arbeitskreis erarbeitet und in der Ausgabe 3/2005 veröffentlicht.
Dr. Frank Schepke, Löptin

