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Kommt die Mark zurück nach Fulda?

by mwestendorff last modified 2005-06-17 15:23

Die Zahl der Regionalwährungen in Deutschland wächst stetig / Auch in Osthessen laufen die Planungen

(16.06.2005 Fuldaer Zeitung) Von unserem Volontär Christian Weber

FULDA Wie an jedem Dienstag holt Frank Seidel seine Brötchen in der Bäckerei Bretthauer in Witzenhausen. Vier Brötchen und zwei Croissants – an sich nichts Besonderes. Doch zum Bezahlen zieht er aus seiner Geldbörse keine Euro-Scheine, sondern „Kirschblüten“. Mit dieser Zweitwährung kann man nur hier in Witzenhausen

bezahlen. Eine Kirschblüte ist blau, schwarze Ziffern geben ihren Wert an, und es ist das Abbild einer echten weißen Blüte zu sehen. Die Bäckerei Bretthauer zählt mittlerweile zu den 54 Geschäften oder Dienstleistern, die die Regionalwährung als Zahlungsmittel akzeptieren. Angefangen hat das Projekt in der nordhessischen Kleinstadt mit rund 16 500 Einwohnern im Oktober 2004 – und seitdem hat sich das neue Zahlungsmittel Zug um Zug ausgebreitet. Offiziell sind die Kirschblüten als Gutscheine deklariert. Mit diesem Trick ist das Währungs-System steuerlich und rechtlich abgesichert, denn die Europäische Zentralbank duldet keine offizielle zweite Währung neben dem Euro.

Die Idee einer Regionalwährung ist nicht neu und findet in Deutschland immer mehr Anhänger: Was für die Witzenhäuser die Kirschblüte, ist für die Bremer der Roland, für die Bürger der Hauptstadt der Berliner und die Gießener der Justus. Insgesamt zwölf laufende Programme mit Regionalwährungen gibt es derzeit in Deutschland, 31 sind in Planung – auch in Fulda. Hier gibt es eine Hand voll Initiatoren, die in engem Kontakt zu den Machern in Witzenhausen stehen. „Wir haben ein fertiges Konzept und bereits die ersten positiven Gespräche geführt“ sagt Martin Uebelacker, Sprecher der Regionalgeld-Initiative „Markeding“ (Kontakt: martin...uebelacker@web.de).

Damit könnte in Fulda bald die Mark als Zahlungsmittel zurückkehren. So jedenfalls wollen die Initiatoren die geplante Regiowährung nennen: „Fuldaer Mark“ ist der Arbeitstitel. Im Gegensatz zum Euro sei diese Bezeichnung positiv besetzt, sagt Uebelacker. Seit Oktober des vergangenen Jahres laufen die Planungen, mit den ersten Mark-Scheinen wird man in Fulda aber frühestens 2006 einkaufen können – so lange benötigt der Vorlauf und die weitere Planung des Vorhabens noch mindestens.

Alle Projekte in Deutschland verbindet die Idee, dass Geld fließen muss, wenn es der lokalen Wirtschaft nutzen soll. Daher gibt es auf Regio-Geld keine Zinsen, im Gegenteil. Es zu horten, gar damit zu spekulieren, macht keinen Sinn, da das Komplementärgeld in fast allen Modellen nach einer bestimmten Zeit gewollt an Wert verliert. Die Kirschblüte etwa, die 1:1 zum Euro getauscht wird, ist nur ein halbes Jahr gültig. Wer einen abgelaufenen Schein zuletzt besitzt, muss 20 Cent bezahlen, um einen neuen Schein wieder ein halbes Jahr nutzen zu können. In Gießen verliert der Justus nach einem halben Jahr fünf Prozent an Wert. Das Wissen um die Entwertung soll die Kunden zum Konsum bewegen. Und weil die Währung nur bei heimischen Firmen und Händlern angenommen wird, bleibt das Geld in der Region, fördert deren Wirtschaftskraft und sichert Arbeitsplätze, so zumindest das Kalkül der Macher.

Der Euro soll durch das regionale Zahlungsmittel jedoch nicht verdrängt werden. „Der Regio kann immer nur eine Ergänzung zur nationalen Währung sein. Damit lassen sich 10 bis 30 Prozent der Produkte des täglichen Lebens erwerben“, sagt Margrit Kennedy, die das Regio-Netzwerk gegründet hat – ein Zusammenschluss der 43 Initiativen, die eine komplementäre Währung in ihren Regionen etablieren wollen. „Am besten eigenen sich kleinere und mittelgroße Städte in Deutschland mit ihrem Hinterland“, sagt sie zu den Erfolgsaussichten der Projekte – und deshalb rechnen sich die Fuldaer Macher auch gute Chancen aus, dass sich die „Fuldaer Mark“ durchsetzen wird. Neben dem positiven wirtschaftlichen Aspekt für den hiesigen Einzelhandel verweist Uebelacker auf einen weiteren Vorteil: Beträge, die etwa durch die Entwertung der Währung eingenommen werden, sollen für soziale Projekte in der Region verwendet werden.

Doch bevor es soweit ist, muss die Fuldaer Initiative noch einige Hürden aus dem Weg räumen und die nötige Akzeptanz für das neue Geld herstellen. „Das Regiogeld hat besondere Sicherheitsmerkmale, man kann es also nicht einfach unter den Farbkopierer legen“, hält Uebelacker den Skeptikern vorsichtshalber schon einmal entgegen. Ohne Möglichkeiten, dass Regiogeld auch ausgeben zu können, wird sich jedoch kein Verbraucher überzeugen lassen, seine Euros in „Fuldaer Mark“ einzutauschen. Zunächst muss also eine größere Anzahl von Unternehmen gewonnen werden, die bei dem Projekt mitmacht. „Die Signale von den Einzelhändlern, mit denen wir bisher gesprochen haben, sind sehr positiv“, zeigt sich Uebelacker hier sehr optimistisch. Und so wird es im nächsten Jahr vielleicht soweit sein, dass nicht nur in Witzenhausen die Frühstücksbrötchen mit einer Regionalwährung bezahlt werden können.


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