Aus der Schweiz: «Felix-Checks» als Zweitwährung
Arboner Sekundarlehrer macht sich für Regionalgeld stark Arbon. Bekommt Arbon neben dem Franken doch noch eine zweite Währung – die «Felix-Checks»? Kurz nachdem die Idee regional gescheitert war, wurde sie an der Universität St. Gallen zum Thema und wird sehr ernst genommen.
St.Galler Tagblatt, 18.10.05: von Thomas Riesen:
Während rund fünf Jahren engagierte sich die IG Solidarität Region Arbon für die Einführung einer regionalen Zweitwährung neben dem Schweizer Franken – Felix-Checks. Aus Arbon fliesst viel Geld nach St. Gallen oder ins Internet. «Es wäre besser, wenn dieses Geld in der Region und weniger auswärts ausgegeben würde», sagt Hans-Jörg Willi, einer der Initianten.
Natürliche Wirtschaftsordnung Zudem habe eine regionale, zinslose Währung weitere Vorteile. «Zinsen fliessen stets von kleinen in grosse Geldbeutel und die Reichen werden auf Kosten der Armen reicher», erläutert der Historiker. So engagierte sich der Sekundarlehrer in der Initiative für eine natürliche Wirtschaftsordnung (Inwo), welche international tätig ist. Ein Kommunist sei er aber nicht; Willi bezeichnet sich als Anti-Kapitalist. Man müsse kein Kommunist sein, um zu begreifen, «dass die Reichen die Armen bestehlen».
Unterstützung durch Oikos In diesem Sommer schien das Projekt der Felix-Checks im Sand zu verlaufen. Keiner der drei Stadtratskandidaten zeigte auf Nachfrage Interesse. Veronika Merz liess sie unbeantwortet, Marius Ettlinger stand der Idee skeptisch gegenüber und Martin Klöti empfahl eine Art Lotteriesystem.
«Damit wurde klar, dass wir gescheitert sind», sagt Willi. Doch der Zufall verhalf dem Projekt zu neuem Schwung, über die Universität St. Gallen. Die Inwo organisierte im September ein Treffen und dazu kam der Dresdner Student Robert Stürmer. Er ist Mitglied bei Oikos, einer Organisation, welche sich mit nachhaltiger Ökonomie befasst.
Die Organisation entstand in den 80er-Jahren an der Universität St. Gallen und ist inzwischen weltweit aktiv. Seither fanden monatliche Treffen statt, an denen unter anderem Reinhold Harringer, Finanzverantwortlicher der Stadt St. Gallen, teilnahm, der seither vier Vorträge zum Thema organisiert hatte.
Druck von unten Zudem findet am 8. und 9. Mai an der Universität St. Gallen die XVIII. Oikos-Konferenz statt: «Die Zukunft des Geldes – In Zukunft investieren». Behandelt werden auch Fragen im Zusammenhang mit Regionalgeld. Im Rahmen des monatlichen Treffs vom 8. November wird die Idee aus Arbon konkret diskutiert. «Jetzt gehen wir den umgekehrten Weg, den wir auch bei uns hätten gehen sollen», so Willi und erläutert: «Wir machen Druck von unten.» Dann erinnert er an das Desinteresse, als er die Idee bei lokalen Verbänden, Parteien und dem Stadtrat vortragen wollte. «Die Studenten gelangen an die Professoren und einige sind bereits auf uns aufmerksam geworden», freut sich Hans-Jörg Willi.
Realer Wirtschaftsraum gesucht Unabhängig davon ist aber klar: An der Universität kann das Projekt nur theoretisch abgehandelt werden, für die Praxis braucht es einen realen Wirtschaftsraum. Es drängt sich die Frage auf, ob es doch noch die Region Arbon werden könnte. Aufgrund dieser Entwicklung ist Willi optimistisch, dass die Idee früher oder später zum Tragen kommt – am liebsten in Arbon?
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